Sicherer Umgang mit Carbon in Fahrzeugen | Moditech.com
Sunday, September 30th 2018
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Sicherer Umgang mit Carbon in Fahrzeugen

Aktuelles von Moditech Rescue Solutions BV

In diesem Monat widmen wir uns in unserem Newsletter dem sicheren Umgang mit Carbon in Fahrzeugen und den Sicherheitsanweisungen, die bei technischen Rettungseinsätzen beachtet werden müssen.

Mehr zu diesen Themen finden Sie in unserem Newsletter für diesen Monat!

 

TECHNISCHE RETTUNGSEINSÄTZE BEI FAHRZEUGEN AUS CARBON
Immer häufiger kommen im Fahrzeugbau carbonfaserverstärkte Kunststoffe zum Einsatz. Dieses Material ist nicht nur leicht, sondern auch hochstabil. Verwendung findet dieser Kunststoff etwa in Teilen der Karosserie. Daneben gibt es auch Fahrzeuge, deren gesamte Fahrgastzelle (Monocoque) aus carbonfaserverstärktem Kunststoff besteht. Dieser Kunststoff wird häufig als Carbon, Carbonfaser oder auch Kohlenstofffaser bezeichnet.

Carbon ist ein faserverstärktes, mit Kunstharz vermischtes Polymer, das unter Luftausschluss und unter Hochdruck in einem Ofen „gebacken“ wird. Carbonfasern gehören zu den künstlichen Mineralfasern (KMF).

Die Karosserie der 7er-Serie des BMW-Plug-in-Hybrids besteht teilweise aus Carbonfasern. So finden sich in der B-Säule verschiedene Materialschichten, darunter auch Carbon:


BMW 7er- Serie Plug-in Hybrid 2016-2018

Die Fahrgastzelle (Monocoque) des BMW i3 besteht vollständig aus Carbon:

Fahrgastzelle BMW i3 2015–2018

WICHTIG! Bei der Arbeit an Carbon während der Bergung von Unfallverletzten besteht für die Rettungskräfte ein Gesundheitsrisiko. Dies gilt auch für Brände. Deshalb ist es wichtig, Rettungskräfte über das Vorhandensein von Carbonfasern zu informieren. Die entsprechenden Informationen sind im Crash Recovery System abrufbar. Dort ist nachzulesen, ob und ggf. wo in einem Fahrzeug Carbonfasern vorhanden sind!

BITTE BEACHTEN! Schützen Sie nicht nur die unmittelbar am Fahrzeug arbeitende Person, sondern auch alle Umstehenden.

Im rot umrahmten Text wird vor dem Vorhandensein von Carbonfasern gewarnt und auf eine Abbildung hingewiesen. Durch Klick auf die Schaltfläche erscheint eine Abbildung mit Angabe der Stellen, an denen mit Carbonfasern gerechnet werden muss.

Der rot umrahmte Text besagt, dass die ganze Karosserie aus Carbon besteht. In diesem Fall gibt es keine gesonderte Abbildung mit den betroffenen Stellen.

EMPFEHLUNG
Verwenden Sie bei Arbeiten an Carbon eine Atemschutzmaske der Schutzklasse FFP3. Diese bietet Schutz bis zum 50-Fachen des MAK-/BAT-Wertes für (Staub-)Partikel. Nebenbei schützt diese Maske auch ausreichend bei Arbeiten an gehärtetem Glas und Verbundglas. Bei Fahrzeugbränden ist das Tragen eines gesonderten Atemschutzes notwendig.

 

EMPFEHLUNG FÜR RETTUNGSKRÄFTE
In letzter Zeit wurden wir häufig gefragt, was zu tun sei, wenn Rettungskräfte beim Rettungseinsatz oder bei Fahrzeugbränden mit Carbonfasern in Berührung kämen.

Mit dieser Frage haben wir uns an die Gefahrstoffberaterin der Sicherheitsregion Amsterdam-Amstelland gewandt. Diese hat einen Fahrzeugbrand eines BMW i3 näher untersucht.


Untersuchung nach einem Brand eines BMW i3

ERGEBNIS
Es gibt verschiedene Arten künstlicher Mineralfasern (KMF). Einige sind mit Asbest vergleichbar, jedoch nicht alle.

Da wir den Unterschied nicht erkennen können, müssen wir mit diesen Fasern im Zweifelsfall wie mit Asbest umgehen und dieselben Hygienemaßnahmen anwenden.

Bekleidung oder Geräte, die (beispielsweise im Schein einer Taschenlampe) sichtbar mit Fasern kontaminiert sind, mit Wasser abspülen. Verbleiben auch nach dem Abspülen mit Wasser weiterhin Fasern auf der Kleidung, muss diese in Beutel gegeben und wie mit Asbest verunreinigte Kleidung gewaschen werden (Quelle: Jetty Middelkoop, Gefahrstoffberaterin Sicherheitsregion Amsterdam-Amstelland, Niederlande).